Sandeman-Cup 2019

Ein Bericht zum Sandeman-Cup 2019 von der Crew der „exorbitante“.

Sandemänner, Sandemänner, Sandemänner … das ist der legendäre Funkruf, wenn der Yachtclub Warnow zur Regatta nach Nysted läd.

Dieses Jahr waren es immerhin 62 Yachten, die sich trotz ungünstiger Wetterprognose für die sonntägliche Rückreise auf den Weg machten. Vom MYCR waren dies „Calypso“, „exorbitante“, „Frigga“, „Galicia“, „Nauke“ und „Ventura“.

Fester Bestandteil des Rituals ist die persönliche Anmeldung jedes Teilnehmers auf der „Bonito“ am Vorabend in Warnemünde. Da wir wie üblich erst nach der Freitagsregatta starten konnten, war das Freibier bereits aufgebraucht und auch die Anzahl der fachsimpelnden Segler hielt sich in Grenzen. Dennoch konnten wir den Papierkram und die Einweisung erfolgreich absolvieren und zogen mit Segelanweisungen und der obligatorischen Wegzehrung für den Sonnabend, einer Flasche Sandeman, auf die exorbitante. Mit der Crew der „Galicia“ wurde hier die UWV (unmittelbare Wettkampfvorbereitung) fortgesetzt ...

Nach der frühen Steuermannsbesprechung war die erste Aufgabe des Tages, sich beim Start aus den Molen einen möglichst günstigen Platz zu sichern. Unsere Windvorhersage versprach ein sehr langes Bein hart am Wind und eventuell einen leichten Linksdreher kurz vor Dänemark, um den R#10;107%;mso-bidi-font-family:Calibri;mso-bidi-theme-font:minor-latin">Ødsand vielleicht doch ohne einen Holer zu erreichen. Andere vertrauten auf den Tip, zunächst einen kurzen Schlag nach Westen zu segeln und dann direkt auf Kurs zu gehen. Für beide Optionen konnte es aber nur eine Startposition, möglichst dicht an der Westmole und damit mit freiem Wind, geben.

Gerade drei Minuten vor dem Schuss war die Lücke, der freie Weg nach Luv, dann endlich doch gefunden. Wir konnten Geschwindigkeit aufnehmen und fast bei Null über die Linie rauschen. Knüppeln, um Raum nach Luv zu machen, dann völlig frei von Abwinden den optimalen Anstellwinkel finden und schon ist fast der Ärger über gut zehn voreilige Schiffe vergessen. Einige verstehen die festgelegte Startzeit offensichtlich nur als eine ungefähre Empfehlung und eilen dem Feld schon mal voran.

Jetzt heißt es also feilen, feilen, feilen am Segel- und Gewichtstrimm, denn noch erreichen wir auf diesem Kurs die erste Bahnmarke nicht. Zudem folgt uns die X-34 „Xanthe“ vom Rostocker Yachtclub dicht auf den Fersen. Das erste Mal wird es mit dem Verfolger eng, als die „Elfin“ aus Kühlungsborn sich mit unglaublicher Höhe von Lee kommend vor uns setzt. Wir haben eine gefühlte Ewigkeit mit ihren Abwinden zu tun, halten uns aber an unseren taktischen Plan. Geradeaus, der Winddreher kommt! Dann sind wir wieder im Rennen, können den Abstand nach hinten halten und tatsächlich dreht der Wind Stunden später ein ums andere Grad.  

Die Tonne R#10;mso-bidi-theme-font:minor-latin">Ødsand ist schon in Sicht, als sich ein schneller „Segelbus“ von Luv aus nähert und beschließt, dann doch mit unserer Höhe weiter zu laufen. Wir verlieren die Nerven, wenden und dann kommt der letzte Winddreher, auf den wir eigentlich so lange gewartet haben. „Xanthe“ kann anliegen, wir haben Überhöhe und weg sind sie. Eigentlich ist das nicht schlimm, sie sind ja in einer anderen Klasse, doch nun heißt das Motto hinterher und dran bleiben. Yardstick 0 und 1 dürfen hinter der Sandbank als Novum noch einen Abstecher bis kurz vor den Yachthafen Gedser fahren. Es schließt sich also ein schöner Ritt vor dem Wind bei 18 kn Wind an, danach folgt die Kreuz bis zur Rinne vor Nysted. Endlich ist auch mal Gelegenheit, sich die weiteren Verfolger anzusehen. Wir meinen „Galicia“ zu erkennen, sie sind verdammt schnell hinter uns her. Dann verlieren wir sie aber wieder aus den Augen. Vor Nysted treffen wir die Gruppen „Charteryacht“ und Yardstick 2 wieder, somit geht die Planung der Veranstalter mit einem langen und einem kurzen Kurs auf. 

Zieldurchgang in Rauschefahrt an der Badeanstalt, die übliche herzliche Begrüßung durch die dänischen Sportsfreunde, Segel runter, Liegeplatzsuche und auf einmal bleibt der Motor stehen. Verdammt…da war dann wohl doch der geheimnissvolle Knotenlöserfisch an Bord und hat die Spischot ins Wasser geworfen? Wie gut, dass die „Xanthe“ noch in Rufweite ist, sie schleppen uns ins Hafenbecken. Eigentlich wollten wir ja bis zum Segelclub durchfahren, um kurze Wege zur Festwiese zu haben, daraus wird jetzt nichts. Wie sich am nächsten Morgen herausstellen wird, war das aber genau die richtige Entscheidung, denn es gibt Niedrigwasser und da war ja auch noch der angesagte Starkwind. Vierer-Päckchen auf Legerwall bei 7-8 Bft. versprechen jetzt schon morgendliches Hafenkino. Selbiges bieten wir kurz vor der Abendveranstaltung aber auch noch, denn die Schot muss noch aus dem Propeller raus und nach einigem Widerstand sieht sie das auch ein #10;"Segoe UI Emoji",sans-serif;mso-ascii-font-family:Calibri;mso-ascii-theme-font:&;minor-latin;mso-hansi-font-family:Calibri;mso-hansi-theme-font:minor-latin;&;mso-char-type:symbol-ext;mso-symbol-font-family:"Segoe UI Emoji"">😊

Kurz hinter uns parkt zwischenzeitlich die „Galicia“ ein und sorgt auch für fachkundige Kommentare, da sie ihren Kreuzspinnaker erst hier und mit Gang in den Mast bergen. Was war passiert? Nach dem Vorwindgang klemmte das Fall, technisch eigentlich unmöglich, der Spinnacker blieb oben. Die Crew hat diese Misere aber sehr praktisch in den Griff bekommen und wickelt ihn so ein, dass die letzte Kreuz wenigstens möglich, wenn auch nicht mehr so schnell ist. Hut ab!

Damit beginnt dann auch bald Teil zwei der Tagesaufgabe, die Kulturveranstaltung auf der Wiese des Segelclubs. Die dänischen Segelfreunde haben ein großes Zelt aufgestellt, die Grills sind vorgeheizt, Freibier steht bereit. Eine derart gut vorbereitete Invasion sieht man leider nur noch selten. Auch von uns noch einmal einen herzlichen Dank !

Angesichts eines leicht verspäteten Aufbruchs und in  Ermangelung einer kissenbewaffneten Vorhut wird es schwer, hier Platz für die eigenen Teller zu finden. Doch der Geheimtipp, die Terrasse des Nysted Sejlclub, ist noch frei und eigentlich der bessere Platz zum Essen. Die Chartercrews von Meer-Seen sind der gleichen Meinung und schon ist auch hier eine lustige Gesellschaft beisammen.

Doch dann steigt die Spannung, es wird zur Siegerehrung gerufen. „Kalkei“ in YS III, „Gadus“ in YS II, „exorbitante“ in YS I  ?!?! Wahnsinn, damit haben wir nicht gerechnet. Der Jubel ist dementsprechend. In der Gesamtwertung aller Gruppen springt dann noch ein 3. Platz hinter „Elfin“ und „Inspiration“ heraus, mehr geht nicht! Und da wir ohne Genua gemeldet haben rechnen wir sofort noch einmal die Zielzeiten nach. Umso größer ist die Erleichterung, dass sich auch mit kleinerem YS-Wert an keiner der Wertungen etwas ändern würde.

Somit können wir uns ganz ungezwungen der Kultur mit Band, Tanz und Gesang hingeben und sind schließlich die letzte noch vollständig anwesende Crew …

Der nächste Morgen beginnt mit der Erkenntnis, dass die Wettervorhersage zutreffend war. Geschaukel und Geheul im Rigg. Beim Blick aus dem Niedergang wird das nicht besser, 7 satt schon jetzt und hier. Einige Boote bleiben hier, sie kommen wegen Niedrigwasser nicht aus den Boxen. Andere wollen bis Gedser fahren und die Fähre nutzen bzw. testen erstmal die Wellen auf der Ostsee und finden dann doch Südfalster besser.

Wir aber wollen segeln. Die kleinste Fock sollte reichen, sicherheitshalber bereiten wir auch das Groß gleich mit Reff 2 vor. Es wird nicht wirklich Spaß machen, zwischen Hafen und Windpark zu segeln. Wir entscheiden uns daher gleich, die Abstimmung des neuen Propellers zu testen und nehmen eine Maschinenerprobung vor. Das funktioniert tadellos und ist allemal weniger schlimm, als die zu 1/3 ausgerollten Vorsegel der Mola`s , welche das Vorstag trapezförmig verformen. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wieviel Zong auf der kleinen Trommel ist, wenn auf der anderen Seite ne 40er Winsch zieht.

Dann geht bei uns die G3 hoch. Jetzt noch das Großsegel, damit es nicht so schaukelt? Wir sind uns erst nicht ganz einig. Weiter zunehmender Wind und stabil mehr als 8 kn über Grund sind aber Argument genug, wir belassen es beim Vorsegel. Die Windgeschwindigkeit beträgt selten weniger als 30, der gemessene Spitzenwert immerhin 37,7 kn. So wird der Rückweg dann zwar holprig aber auch schnell.

Als wir dann die Warnow erreichen, findet sich wie so oft ein völlig anderes Windystem. Es ist beinahe flau, der Wind kommt aus Süd, dafür fehlt auch hier massiv Wasser. Endlich im Verein angekommen, finden wir dann auch keine Furche zu unserem Liegeplatz. Wir gehen am Mastenkran bei „Happy End“ längsseits, beseitigen das Chaos unter Deck und sind uns einig, dass das mal wieder ein anstrengendes aber schönes Wochenende auf See war.

Gesamtsieger: ELFIN, Christoph Merkel vom SC Kühlungsborn, 2. INSPIRATION, Torsten Hübner vom ASVW Warnemünde, 3. EXORBITANTE vom MYCR

Unsere Boote in den Klassen: Großer Kurs > YS 0 > kein Starter des MYCR > YS 1: 1. EXORBITANTE, 4. GALICIA (und das trotz technischer Panne) Kleiner Kurs > YS 2:  6. VENTURA, 8. NAUKE, 15. Calypso > YS 3: 6. Frigga

Die Crew der „exorbitante“: Geertje, Mareike, Rieke, Maik & Heiko